News 3

Kein Urlaub für Zeiten unbezahlten Sonderurlaubs und für die Freistellungsphase einer Block-Altersteilzeit

Seitz Weckbach Fackler & Partner

Nach dem Bundesurlaubsgesetz hat jeder Arbeitnehmer in jedem Kalenderjahr Anspruch auf bezahlten Erholungsurlaub. Der Urlaubsanspruch entsteht grundsätzlich unabhängig von einer Arbeitsleistung im Urlaubsjahr, also z. B. auch für Zeiten krankheitsbedingter Arbeitsunfähigkeit.


Allerdings gibt es in diesem Zusammenhang zwei neuere Entscheidungen des Bundesarbeitsgerichts, die aufhorchen lassen.

BAG, Urteil vom 19.03.2019 – 9 AZR 315/17 (unbezahlter Sonderurlaub):

Befindet sich ein Arbeitnehmer im Urlaubsjahr ganz oder teilweise im unbezahlten Sonderurlaub, ist bei der Berechnung des gesetzlichen Mindesturlaubs zu berücksichtigen, dass die Arbeitsvertragsparteien ihre Hauptleistungspflichten durch die Vereinbarung von Sonderurlaub vorübergehend ausgesetzt haben. Dies hat zur Folge, dass einem Arbeitnehmer, der sich im gesamten Kalenderjahr im unbezahlten Sonderurlaub befindet, mangels Arbeitspflicht kein gesetzlicher Anspruch auf Erholungsurlaub zusteht. Sofern die Arbeitspflicht nicht im gesamten Kalenderjahr suspendiert ist, weil sich der Sonderurlaub nur auf einen Teil des Kalenderjahres erstreckt, muss der Urlaubsanspruch nach Zeitabschnitten berechnet werden. Der Zeitraum des Sonderurlaubs ist bei der Berechnung des Urlaubsanspruchs mit „null“ Arbeitstagen in Ansatz zu bringen. Ein Urlaubsanspruch für die Zeit des Sonderurlaubs besteht deshalb regelmäßig nicht.

BAG, Urteil vom 24.09.2019 – 9 AZR 481/18 (Freistellungsphase einer Block-Altersteilzeit):

Befindet sich ein Arbeitnehmer in der Passivphase einer Block-Altersteilzeit und ist er im gesamten Kalenderjahr von der Arbeitspflicht befreit, steht ihm mangels Arbeitspflicht kein Urlaubsanspruch zu. Die Freistellungsphase ist mit „null“ Arbeitstagen zu bewerten. Vollzieht sich der Wechsel von der Arbeits- in die Freistellungsphase im Verlauf eines Kalenderjahres, muss der Urlaubsanspruch nach Zeitabschnitten entsprechend der Anzahl der Tage mit Arbeitspflicht berechnet werden. Die für den gesetzlichen Erholungsurlaub entwickelten Grundsätze gelten – so das Bundesarbeitsgericht – auch für den vertraglichen Mehrurlaub, sofern die Arbeitsvertragsparteien keine hiervon abweichende Vereinbarung getroffen haben.

 

Autor: Peter Härtl

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren

2025%20 %20Kroll%20Florian

Digitale Justiz – Technische Sorgfaltspflichten bei Videoverhandlungen

Videoverhandlungen gehören inzwischen unserem Alltag. Sie erleichtern den Zugang zur Justiz – sie setzen aber eine verlässliche technische Vorbereitung voraus. Der Bundesgerichtshof hat mit Urteil vom 30. Juli 2026 (I ZR 31/26) klargestellt, welche Sorgfalt von Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälten bei der Teilnahme an einer Videoverhandlung verlangt werden kann.

2023%20 %20swfp Mood 27

Best Lawyers & Handelsblatt 2026: SWF&P zählt zu Deutschlands besten Kanzleien

Wir freuen uns, auch 2026 im Ranking „Deutschlands beste Kanzleien“ von Handelsblatt und Best Lawyers vertreten zu sein.

2025%20 %20Windmei%C3%9Fer%20Lukas

Streitverkündung richtig begründen: Wann ist sie wirksam?

Eine Streitverkündung ist nur dann wirksam, wenn insbesondere der Grund so konkret dargestellt wird, dass der Empfänger erkennen kann, aus welchem Rechtsverhältnis und aufgrund welcher tatsächlichen Umstände ihm ein Regress droht. Pauschale Behauptungen oder ein allgemeiner Verweis auf beigefügte Unterlagen reichen hierfür nicht aus.

Das zeigt eine Entscheidung des OLG Köln vom 17. September 2025 (Az.: 11 U 118/23), die insbesondere für die Durchsetzung späterer Regressansprüche von Bedeutung ist.