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Originaltestament nicht auffindbar, was nun?

Nicht selten wissen die Erben von einem durch den Erblasser formwirksam errichteten Testament und haben sogar Kopien dieses Testaments in ihrem Besitz. Probleme treten auf, wenn sich trotz erheblicher Anstrengungen das Originaltestament nach dem Tod des Erblassers nicht auffinden lässt.

Grundsätzlich bestimmt der Erblasser durch die Errichtung eines formwirksamen Testaments die Erbfolge. Nur wenn das Testament durch den Erblasser selbst (wiederum formwirksam) widerrufen wird, ist es ungültig. Sofern die Erben nachweisen können, dass der Erblasser ein wirksames Testament errichtet hat, in welchem sie als Erben benannt sind, wird Ihnen ein entsprechender Erbschein ausgestellt.

Dies hat das OLG Hamm mit Beschluss vom 25.01.2019 erneut entschieden. Die redaktionellen Leitsätze dieser Entscheidung lauten:

„Ein nicht mehr vorhandenes Testament ist nicht allein wegen seiner Unauffindbarkeit ungültig. Eine Kopie des Originaltestaments kann als Nachweis ausreichen, wenn mit ihr die formgerechte Errichtung des Originaltestaments nachgewiesen werden kann. Dabei gelten für den Fall, dass ausschließlich eine Kopie vorhanden ist, strenge Anforderungen an den Nachweis der Existenz eines entsprechenden Originals.

2. Die Vermutung, dass mit der Vernichtung eines Testaments dessen Aufhebung beabsichtigt ist (§ 2255 S. 2 BGB) setzt voraus, dass eine Vernichtung des Testaments festgestellt ist. Die bloße Tatsache der Unauffindbarkeit der Urkunde besagt für sich allein noch nichts; sie begründet insbesondere keine tatsächliche Vermutung oder einen Erfahrungssatz, dass das Testament durch den Erblasser vernichtet worden ist.“

(OLG Hamburg Beschl. v. 25.1.2019 – 2 W 45/18, BeckRS 2019, 1406, beck-online)

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