• DE
  • EN
  • IT

Die Europäische Aktiengesellschaft (SE) – aktueller denn je!

Die Europäische Aktiengesellschaft, abgekürzt „SE“ (für „Societas Europaea“), ist eine originär europarechtliche Rechtsform. Rechtsgrundlage ist die SE-Verordnung (SE-VO). Die SE-VO enthält nur eine unvollständige Regelung, die durch das nationale Recht des jeweiligen EU-Mitgliedstaates ergänzt wird, in dem die SE ihren Sitz hat. Ist der Sitz beispielsweise in München, kann man daher von einer „deutschen“ SE sprechen. Neben der europäischen SE-VO werden das deutsche Ausführungsgesetz (SEAG) und das deutsche Aktienrecht (AktG) angewandt. Hinzu kommt insbesondere noch das deutsche SE-Beteiligungsgesetz (SEBG).

Die SE entspricht in vielen Bereichen der klassischen AG. Die Gründe, warum sich Unternehmen dennoch immer häufiger für eine SE entscheiden, sind vor allem die Folgenden:

 

Flexible Organisationsstruktur (monistisches oder dualistisches Leitungsmodell):

 

Mit der SE ist Flexibilität in der deutschen Struktur der Aktiengesellschaft eingezogen, was häufig als die größte Innovation der SE gesehen wird. Während das deutsche Aktienrecht mit dem Vorstand und dem  Aufsichtsrat zwingend ein zweigeteiltes Leitungs- und Aufsichtssystem vorsieht (dualistische Board-Struktur), kann in der SE auch eine monistische Struktur gewählt werden, bei der die Aufgaben von Vorstand und Aufsichtsrat in einem Verwaltungsorgan gebündelt werden. Die vor allem aus den anglo-amerikanischen Ländern bekannte Board-Struktur kann bei ausländischen Investoren größere Akzeptanz gegenüber der gewählten Rechtsform schaffen, da sie mit dieser Organisationsform eher vertraut sind.

 

Grenzüberschreitende Mobilität:

 

Ein weiterer Grund für die SE ist die grenzüberschreitende Mobilität, da eine SE ihren Sitz ohne weiteres in einen anderen Mitgliedstaat der EU verlegen kann. Durch die Sitzverlegung wechselt das nationale Recht, das auf die Gesellschaft angewendet wird, so dass beispielsweise aus einer „deutschen“ SE mit Sitz in München infolge einer Verlegung nach Mailand eine „italienische“ SE wird. Da in den letzten Jahren die grenzüberschreitende Mobilität jedoch zunehmend auch durch die europäischen Regelungen zur  grenzüberschreitenden Verschmelzung von Unternehmen ermöglicht wird, hat dieser Aspekt mittlerweile an Bedeutung verloren.

 

Internationales Image:

 

Als originär europäische, supranationale Rechtsform besitzt die SE ein positives und modernes Image. Unternehmen wählen die Rechtsform daher auch, um ihre europäische bzw. internationale Ausrichtung zu unterstreichen und ausländische Investoren und Führungskräfte anzusprechen.

 

Flexibilität bei der Unternehmensmitbestimmung:

 

Ein weiterer wichtiger Grund für die Wahl der SE kann auch die Unternehmensmitbestimmung sein. Insbesondere die Größe des Aufsichtsorgans kann abweichend von den Regelungen des Mitbestimmungsrechts vereinbart werden. Die Art und Weise der Mitbestimmung kann zudem durch eine Vereinbarung zwischen den Arbeitnehmervertretern und der Unternehmensleitung festgelegt werden. Ist die SE auf dieser Grundlage etabliert, führen nachträgliche Veränderungen der Arbeitnehmerzahlen im Grundsatz nicht zu einer Änderung der anzuwendenden Mitbestimmungsregelungen. Dies ist gerade vor dem Hintergrund der aktuellen politischen Diskussionen und der rasanten Entwicklung in der Rechtsprechung von besonderer Bedeutung.

 

Für alle Fragen rund um die SE und die Aktiengesellschaft steht Ihnen Herr Rechtsanwalt Dr. Christoph Knapp gerne zur Verfügung.

Zurück