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Die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung: Begutachtung durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen bei Zweifeln zu empfehlen

Im Arbeitsverhältnis kommt es bei Erkrankungen eines Arbeitnehmers zu Unstimmigkeiten, wenn der Arbeitgeber Anhaltspunkte dafür hat, dass eine ärztlicherseits bescheinigte Arbeitsunfähigkeit zweifelhaft ist, sei es aufgrund häufiger Kurzerkrankungen zum Wochenbeginn oder -ende bzw. im direkten Anschluss nach Urlaubstagen oder Erkrankungen, die „plötzlich“ nach Streitigkeiten auftreten.

 

Auch bei Vorliegen starker Indizien, die gegen eine Arbeitsunfähigkeit sprechen, kommt der AU-Bescheinigung ein hoher Beweiswert im Sinne einer tatsächlichen Vermutung zu, den der Arbeitgeber in einem Rechtsstreit erschüttern muss.

Die Rückdatierung des Beginns der Arbeitsunfähigkeit ist nur ausnahmsweise und in der Regel nur bis zu zwei Tage zulässig; anderenfalls kann der Arbeitgeber im Prozess einwenden, dass der Nachweis der Arbeitsunfähigkeit nicht ordnungsgemäß erbracht wurde. 

Weiterhin kann sich der Arbeitgeber im Hinblick auf die Überprüfung der Arbeitsunfähigkeit an die Krankenkasse mit der Bitte um Erstellung eines Gutachtens durch den Medizinischen Dienst wenden; die Krankenkasse muss zur Beseitigung von Zweifeln ein entsprechendes Gutachten einholen. Allerdings besteht keine arbeitsvertragliche Nebenpflicht des Arbeitnehmers, der Aufforderung zur Begutachtung nachzukommen. Wenn er die Begutachtung - auch mehrfach - ohne triftigen Grund verweigert, kann er deswegen nicht abgemahnt oder gar gekündigt werden. Dieses Verhalten kann jedoch im Wege der freien Beweiswürdigung durch den Richter berücksichtigt werden. Dem Arbeitgeber ist daher zu empfehlen, von der Möglichkeit der Begutachtung Gebrauch zu machen, auch wenn hierauf kein Anspruch besteht.

Wird ein Gutachten durch den MDK erstellt und kommt dieses hinsichtlich der Arbeits(un)fähigkeit zu einem anderen Ergebnis als der Arzt, der die AU-Bescheinigung ausgestellt hat, so kann ggf. ein Zweitgutachten eingeholt werden. Letztlich ist aber das MDK-Gutachten verbindlich.

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